Elizabeth Shaw Cartoonist, Illustrator and author (1920-1992) was born in Ireland. In 1947 she came to Berlin together with her Husband the German sculptor René Graetz (1908-1974). She worked for the "ULENSPIEGEL" journal and for the newspaper "Neues Deutschland". Beginning with t11e mid fifties she mainly concentrated on book illustrations. She was especially successful with her children's books being author and illustrator at the same time. There is an increasing demand for her books for children. Her recent bibliography refers to this fact.

Graphische Kunst Internationale Zeitschrift für Buchkunst und Grafik Heft 1/2004

von Hartmut Pätzke Die Karikaturistin, Autorin und Illustratorin Elizabeth Shaw (1920 Belfast-1992 Berlin)

 

Elizabeth Shaw wurde 1920 in Belfast in Nordirland als Tochter einer bürgerlichen protestantischen Familie geboren. Bücher umgaben sie von Kindesbeinen an. Ob sie mit dem großen Dramatiker George Bernard Shaw verwandt ist, eine häufig an sie gestellte Frage, vermochte sie selbst nicht zu sagen, und es ist wohl auch nicht mehr festzustellen, da das Archiv, das darüber hätte Auskunft geben können, verbrannt ist. Zur Kunst drängte es Elizabeth, die schon mit vier Jahren, gemeinsam mit ihrer älteren Schwester, eine private Schule zu besuchen begann, von jeher. Von Bedford aus, wohin sie mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern gezogen war, ging sie zum Studium nach London. Sie studierte bei Graham Sutherland und, genoss an der gleichen Schule die Aufmerksamkeit von Henry Moore für ihr künstlerisches Talent. Der Krieg und insbesondere die deutschen Bombardements auf England unterbrachen ihr Studium. Erste Proben ihres Könnens lieferte sie für die Zeitschrift Lilliput, für die auch der aus Prag stammende und über München und Berlin aufgestiegene Illustrator und Karikaturist Walter Trier (1890-1951) arbeitete, der ins Exil nach London gelangt war. Er bediente sich einer der Shaw sehr verwandten Strichführung.
Bereits 1945 schienen die politische Entscheidung und der künftige Weg der Elizabeth Shaw bestimmt zu sein. Zunächst war sie mit Patrick Campende befreundet, einem Maler, der innerhalb der kommunistischen Bewegung bis 1956 aktiv blieb. Bereits 1944 heiratete sie René Graetz (1908-1974), zwar in Berlin geboren, aber in der Schweiz aufgewachsen, mehrsprachig (Deutsch, Englisch, Französisch), der als Drucker in Südafrika tätig gewesen war und in London dem Freien Deutschen Kulturbund und seinen aus Deutschland stammenden Exilanten nahe stand, als Künstler Autodidakt.
Das erste Buch, das Elizabeth Shaw illustrieren sollte, erschien 1945 in London, Gordon Schaffer: Labour Rules.
Der Wille, am Aufbau Deutschlands mitzuwirken, bestimmte Elizabeth Shaw und René Graetz, 1947 nach Berlin zu gehen. Zunächst wohnten sie im britischen Sektor, in Berlin-Charlottenburg, zogen dann nach Zehlendorf und schließlich nach der Währungsreform 1948 nach Kleinmachnow, einem Villenvorort von Berlin, benachbart Zehlendorf, das postalisch zu Berlin gehörte. Später wohnten sie in Berlin-Pankow in der Nähe der Bildhauer Theo Balden (1904-1995) und Heinz Worner (geb.1910).
René Graetz tauschte als Bildhauer und Graphiker mit seinem engen Freund Herbert Sandberg (1908-1991), einem der wichtigsten Streiter für die moderne Kunst, über Jahre, besonders auf Spaziergängen, Gedanken aus, und er stritt bis in internationale Gremien hinein. Er fühlte sich als Künstler Picasso verpflichtet. Elizabeth Shaw sah sich aufgenommen in den Kreis des ULENSPIEGEL, den Herbert Sandberg, befreit aus dem KZ Buchenwald, seit dem 24. Dezember 1945, in der Nachfolge des alten Simplicissimus, gemeinsam mit dem aus dem Zuchthaus Luckau entlassenen Günter Weisenborn zunächst in amerikanischer Lizenz, abgesprochen mit Johannes R. Becher (1891-1958), dem ersten Präsidenten des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, herausgab. Nach dem plötzlichen Ende des ULENSPIEGEL im Osten Berlins 1950 sahen sowohl Elizabeth Shaw als auch Herbert Sandberg für ihr Wirken als Karikaturisten in der Zeitung Neues Deutschland eine Plattform. Ihre britische Herkunft hatte ihr schon im ULENSPIEGEL einen freieren Blick ermöglicht, herzhafter und frecher wohl auch als das ihren deutschen Kollegen eigen sein konnte. Ein besonderes Feld ihrer karikaturistischen Sicht sollte das Porträt werden. Dafür dürfen die Zeichnungen von Schriftstellern genannt werden, die 1956 aus Anlass des IV. Deutschen Schriftstellerkongresses in Berlin entstanden, vereint mit Versen von Paul Wiens (1922-1982) im Aufbau-Verlag unter dem Titel Zunftgenossen - Kunstgefährten erschienen, eine Broschur, aus der die Vielfalt der noch gesamtdeutsch geprägten Literaten der älteren Generation, bis hin zu Heinar Kipphardt, exemplarisch ablesbar erscheint. In der Porträtkarikatur hatte Elizabeth Shaw kräftige Mitstreiter in Herbert Sandberg und sollte auch einen in Harald Kretzschmar (geb. 1931) gewinnen. Das Porträt, direkt vor dem zu Porträtierenden entstanden, gehört zu ihren außergewöhnlichen Stärken. Im Auftrag der Deutschen Akademie der Künste zeichnete sie 1958 deren Mitglieder. Die Zeichnungen sind einem großen Kreis bis heute nicht zugänglich. Der Abschied von der Karikatur erfolgte für Elizabeth Shaw bereits in den fünfziger Jahren schrittweise. Zunächst war die politische Entmachtung von Rudolf Herrnstadt (1903-L966), einem exzellenten Journalisten, seine Absetzung als Chefredakteur des Neuen Deutschland und die damit zusammenhängende fristlose Entlassung ihres speziellen Ansprechpartners, Arne Rehahn (1924-1975), den sie als, Mitarbeiter der Kriegsgefangenensendungen des BBC (er selbst war mit einem Flugzeug desertiert) wohl schon aus London gekannt haben wird, ein Fiasko. Auch die Jahre nach dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953, wenn sie bis 1956 auch scheinbar in einer liberalen Phase verliefen, waren dem freien Umgang mit der Karikatur nicht unbedingt förderlich. Auf jeden Fall verlor die Karikatur in der Deutschen Demokratischen Republik in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre ihre fähigste Karikaturistin.
Sie konzentrierte sich nun vorerst auf die Familie, auf die Erziehung der Kinder, der Tochter Anne, geboren 1948 in England und des Sohnes Patrick, geboren 1950. In der Arbeit für die Tagespresse hatte sie stets vermisst, dass sie sich nicht auch in Farben ausdrücken konnte.
Ist ihre Arbeit für das Buch in den fünfziger Jahren noch gering, erzielt sie jedoch für ihre Illustrationen zu Johann Fürchtegott Gellerts Fabeln im Aufbau-Verlag mit der Auszeichnung als einem der "Schönsten Bücher" einen beachtlichen Erfolg. In ihrem Stil, Dinge ganz charakteristisch zu erfassen, in anscheinend einfacher Weise darzustellen, ist sich Elizabeth Shaw treu geblieben. Mit hoher Energie folgte sie ihrem Kindheitstraum, Künstlerin zu werden. Vor allem blieb ihre Eigenständigkeit gegenüber dem Schaffen ihres Mannes, René Graetz, gänzlich gewahrt.
Auf Anregung von Helene Weigel, Witwe von Bertolt Brecht, Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensembles seit seiner Gründung, war 1958, anderthalb Jahre nach dem viel zu frühen Tod des Dichters, zu seinem 60. Geburtstag, ein kleines unscheinbar wirkendes Bändchen entstanden, Gedichte und Geschichten, das mit den Illustrationen der Shaw nicht allein ihre besondere Nähe zu Brecht, sondern auch ihre Begabung für die Illustration speziell für Kinder auswies. Auf sehr eindringliche und gleichzeitig behutsame Art und Weise vermag sie pädagogisch, das heißt vor allem erzieherisch Einfluß auf Heranwachsende zu nehmen, sie positiv zu beeinflussen. Bertolt Brechts Ein Kinderbuch, 1965 im Kinderbuchverlag erstmals erschienen, wird als eines der am reichsten und adäquatesten illustrierten Bücher im Werk Brechts bestehen bleiben. Aus welchen Gründen in späteren Auflagen 44 Zeichnungen verändert oder ausgetauscht wurden, wohl selten zu ihrem Vorteil, auch nicht zu dem des Gesamteindrucks des Buches, wäre zu untersuchen.
Sieht man das illustrative Werk Elizabeth Shaws im Ganzen fällt auf, dass sie dem der Satire und, dem Humor verpflichteten Autor Lothar Kusche (geb. 1929), als Autor der Weltbühne auch unter dem Pseudonym Felix Mantel bekannt, besonders verpflichtet ist. Die Bücher erschienen fast ausschließlich im Eulenspiegel Verlag. Hinzu kommt die Schriftstellerin Berta Waterstradt, mit der gemeinsam sie über zwanzig Jahre für Das Magazin auf Reisen im In- und Ausland unterwegs war, worüber sie in Wort und Bild launig zu berichten wussten. Die Zeitschrift war beliebt, wer kein Abonnement ergattern konnte, erhielt die 1924 gegründete Zeitschrift, 1954 in Berlin abermals aus der Taufe gehoben, allenfalls unter dem Ladentisch. Das Titelblatt, mit dem berühmten versteckten Kater, lieferte über Jahrzehnte Werner Klemke. Gerade erschien die Jubiläumsnummer zum 80-jährigen Bestehen der Zeitschrift, in der in einem Rückblick auch Zeichnungen von Elizabeth Shaw zu einem Text von Christa Wolf aus dem Jahre 1956 zu finden sind.
Allmählich fand Elizabeth Shaw aber ein Feld, in dem sie ganz sie selbst war: das Kinderbuch, in dem Wort und Bild von ihr allein stammten. Diesen Büchern waren hohe Auflagen beschieden. Sie beziehen sich sowohl auf Elementares als auch auf Simples, wie in Der kleine Angsthase oder Gittis Tomatenpflanze. Anregungen zu diesen Kinderbüchern erhielt sie unter anderem aus dem Umgang mit ihrem Berliner Enkelsohn. Auch an eigene Kindheitsträume erinnerte sie sich, die nun in Schrift und Bild gefaßt wurden.
Förderlich waren ihrem Werk auch die gesellschaftlichen Anerkennungen, die ihr seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre zunehmend zuteil wurden, wie die Silbermedaille der Internationalen Buchkunstausstellung für den Band Seit ich dich liebe (1977) aus dem Verlag für die Frau, Leipzig, der erste Preis für ein Exlibris der Pirckheimer-Gesellschaft (1971), mit deutlich karikierenden Zügen des Dargestellten, die Verleihung des begehrten Käthe-Kollwitz-Preises (1981) der Akademie der Künste und des Gutenberg-Preises der Stadt Leipzig (1984).
Elizabeth Shaw war und blieb Irin in Berlin, wie sie 1990 in ihren autobiographischen Aufzeichnungen Irish Berlin bekannte. Der britische Pass erlaubte ihr einige Bewegungsmöglichkeiten, nicht nur Reisen in ihr Heimatland, wie sie anderen Künstlern, selbst in der Endzeit der DDR, außerordentlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich waren. Ihre geistige und künstlerische Heimat aber hatte Elizabeth Shaw in der Deutschen Demokratischen Republik gefunden. Sowohl ihren autobiographischen Bericht Irish Berlin als auch ihre Kinderbücher hat sie, in Jahrzehnten der deutschen Sprache nicht ganz mächtig geworden, wie auch ihre meisten Kinderbücher, in Englisch verfasst. In allzu eiligen Verlagsgeschäften scheint heute übersehen zu werden, dass der englische Originaltext, der für anderssprachige Bücher zu übersetzen wäre, vorliegt, ja der Originaltext ist.
In Berlin-Pankow, in der Grunowstraße, wurde 1999 eine Grundschule, die jetzt gerade hundert Jahre alt wird, nach Elizabeth Shaw benannt. Es war ein höchst freudiges Ereignis, zu dem auch die späte Freundin der Künstlerin, die Malerin und Publizistin Sarah Haffner, sprach.
Die kleine Bibliothek Elizabeth Shaw, eine eigene Reihe des Kinderbuchverlages, der jetzt zur Verlagsgruppe Beltz, Weinheim, Basel, Berlin, gehört, erscheint seit den späten neunziger Jahren und ist bereits beim achten Band angelangt. Der mitunter nötig erscheinende Wechsel im Format muss dabei verschmerzt werden. Der Sammler der Shaw-Kinderbücher wird auf jeden Fall auch nach den originalen Ausgaben aus dem alten Kinderbuchverlag greifen, die antiquarisch reichlich vorhanden sein dürften.
Elizabeth Shaw war relativ schweigsam, öffentlichen Auftritten wich sie lieber aus. Beobachten konnte sie so vielleicht besser, um eine Situation und Charakteristisches mit Stift und Feder darzustellen. Ihre Bücher für Kinder erfreuen sich großer Beliebtheit in der Welt, bis hin nach Japan und Korea als auch nach Großbritannien und in die nordischen Länder. Worüber die Bibliographie. die aktuell erstellt worden ist, Auskunft gibt. Für tätige Mithilfe in der Arbeit an der Bibliographie bin ich Patrick Graetz, der das Kunstarchiv Elizabeth Shaw & René Graetz in Schwanebeck-West, einem Berliner Vorort, liebevoll betreut, sehr dankbar. Ausstellungen an vielen Orten zum Werk seiner Eltern gehören zu seinem Programm. Davon zeugt auch der 2002 erschienene Band Elizabeth Shaw, Spuren der Erinnerung, der im Herbst 2002 im Kunstkaten Ahrenshoop Die Aufenthalte an der Ostsee in Bildern, Texten und Dokumenten präsentierte. Die Irin Elizabeth Shaw hat sich in Berlin durchgesetzt. Heute gehört ihr Werk der Welt, es erlebt eine Renaissance. Mit ihren Texten und Bildern leben neue Generationen von Kindern.